Ich selbst sein

Als Teenager wollte ich immer zu den „Coolen“ gehören. Kaum war ich 16 überredete ich meine Eltern tagelang, bis sie mich endlich für ein paar Stunden in die Disko ließen. Freudig ging ich mit meinen Freunden (alle älter als ich) zum ersten mal richtig feiern und fühlte mich endlich „dazugehörig“. Aber wenn ich ehrlich war, fühlte ich mich in der Disko selbst recht unwohl. Schon damals wusste ich immer wann ich mit dem Alkohol aufhören musste und ohne Alkohol kam ich nur zögerlich aus mir heraus – mit ausgelassenen Tanzeinlagen war da nicht viel. In der Zeit danach ging ich immer mal wieder mit meinen Freunden weg, weil ich einfach auch sagen wollte, „ich war am Wochenende in der Disko“. Aber gefallen hat es mir nie. Ich bin eben einfach keine Tänzerin, betrinke mich nicht sinnlos und fühlte mich auf der Tanzfläche als absolute Niete. Immer häufiger erfand ich Gründe oder auch Ausreden, warum ich nicht mitgehen konnte. Ich wollte nie zugeben, dass mir das gar keinen Spaß macht. Ich dachte, jeder geht feiern und das ist einfach cool. Doch irgendwann habe ich einfach angefangen zu mir selbst zu stehen und zu sagen, dass das gar nicht mein Ding ist! Es war echt befreiend! Ich war ehrlich zu mir selbst und zu meinen Freunden. Seitdem werde ich selten gefragt und es braucht immer weniger „Abwehr“, bis es von anderen akzeptiert wird, dass ich nicht mitkomme.

Diese Woche waren wir für ein paar Tage auf Studienfahrt. Natürlich wurde auch hier jeden Abend fleißig weggegangen. Aber ich wäre viel lieber früh ins Bett gegangen (die nächsten Tage würden schließlich anstrengend werden) und hätte es mir gespart, mit einem Wasser (etwas anderes will ich wegen der Fruktoseintoleranz nicht trinken) still zwischen all den angeheiterten extrovertierten Leuten zu sitzen und zu hoffen, dass der Abend endlich vorbei geht. Ich habe viel darüber nachgedacht, schließlich wollte ich nicht die Langweilerin sein, die früh aufs Hotelzimmer zurückgeht während alle anderen feiern gehen. Wir sind ja schließlich Studenten. Aber irgendwann habe ich für mich eine Entscheidung getroffen: Ich stehe zu mir selbst und bleibe im Hotel. Und ich werde mit den Konsequenzen leben – sollen sie doch denken was sie wollen! Und als ich das akzeptiert hatte (was mir zuvor immer schwer gefallen ist), fühlte ich mich fast befreit. Ich hatte abends genügend Zeit die Dinge für den nächsten Tag zu packen und konnte halbwegs ausgeschlafen in diesen starten. Und ich war glücklich, weil ich für mich eine Entscheidung getroffen hatte und zu mir selbst stand!

Ich finde es wichtig, dass man zu sich selbst steht und sich nicht immer nach anderen richtet. Jeder Mensch hat andere Interessen und braucht sich nicht verstellen.

Sollte das hier jemand lesen, der mich kennt, denkt er wahrscheinlich „Oh man, das ist so typisch Lisa – die Langweilerin bleibt immer zu Hause“, dann bitte ich euch: Akzeptiert es! So bin ich einfach und ich bin glücklich damit! Ich bin deswegen noch lange keine introvertierte Langweilerin!

So, das musste ich mir einfach einmal von der Seele schreiben. Ich habe in dieser Hinsicht viel in den letzten Jahren gelernt – auch über mich selbst. Und um glücklich zu sein muss man oft zu sich selbst stehen!

Quelle: https://shop.gwbi.de/gwbi-portlet/i/a/8093_0_detail.png
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5 Gedanken zu “Ich selbst sein

  1. Hallo Lisa,
    ein schöner Artikel, ich habe mich an so vielen Stellen selber wiedergefunden! Ich finde, so eine Einstellung verdient viel Respekt und Anerkennung und keine Verachtung. Toll, dass du so zu dir stehst!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, Jenny

    Gefällt 1 Person

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